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Triathlon Podcast


#1 Bruno Saile, Gründer Tempo Sport – Faszination Bike

Bruno Saile: Lebenslange Leidenschaft ist das Bike. Foto: Sabine Klapper

«DAS BIKE IST DIE VERBINDUNG VON FREIHEIT UND TECHNIK»

Bruno Saile gründete 1990 zusammen mit seinem damaligen Geschäftspartner Guido Terzer das Tempo-Sport – heute einer der grössten Triathlon Shops in der Schweiz. Der gelernte Polymechaniker ist mittlerweile pensioniert, arbeitet aber immer noch Teilzeit in der Werkstatt.

Bruno Saile war 1982 Ruder-Weltmeister im Vierer ohne, dreimaliger Olympiateilnehmer und 23-facher Schweizer Meister. In den Anfangsjahren des Sportgeschäfts war Triathlon noch kein Thema. Bruno Saile war vielmehr fasziniert von Mountainbikes, damals ein neuer Trend aus den USA.

KOMISCHES VELO

«1984 brachte unser Trainer Markus Handschin ein <komisches> Velo mit ins Trainingslager am Sarnersee, ein Villiger, hergestellt in Japan», erzählt Bruno Saile. «Damals habe ich noch gar nicht gewusst, dass es so etwas überhaupt gibt.» Er war sofort Feuer und Flamme und nutzte das Villiger-MTB, das es heute noch gibt, als Alternative zum Rennvelo für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles.

Schon damals herrschte im Vorbereitungscamp in St. Moritz auf den Pässen wie Bernina oder Julier viel Verkehr. Bereits 1972 war ein Ruderkollege vom Postauto angefahren worden – und fiel für die Spiele in München aus. «Einen Ausfall im Vierer konnten wir uns nicht leisten, wir hätten keinen Ersatz gehabt», so Bruno Saile. «Wir waren aber auf das Rad als Trainingsmittel angewiesen, zum Beispiel, wenn das Wasser zu rau war und wir nicht rudern konnten.»

Die MTB-Ausfahrten dienten vorwiegend als Ausgleichsport: «Ich war sehr gerne auf dem Bike, du kannst deinen Gedanken nachhängen, dich frei bewegen, die Natur geniessen und es machte mir einfach Spass, bergauf und bergab zu fahren.»

WACHSENDE LIEBE ZUM MTB

Von 1985 bis 1986 coachte er als «Spielertrainer» ein junges Team vom Ruderclub Thalwil. Mit an Bord: Marcel Kamm, der heutige Geschäftsführer von Tempo Sport, mit dem Bruno Saile auch internationale Rennen fuhr und Schweizer Meister im Achter wurde.

Hier wiederholte sich die Geschichte: Wie vorher sein Trainer Markus Handschin führte Bruno Saile das Mountainbiken als Ausgleichsport ein. Mit grossem Erfolg: Noch heute sind die Thalwiler Ruderer auf Bikes unterwegs und halten auf Strava einige KOMs in der Umgebung.

Nach den Olympischen Spielen in Seoul 1988 war Bruno Sailes internationale Rudersportkarriere zwar zu Ende, aber die Liebe zum MTB wurde immer grösser. Er nahm sogar an einigen Rennen der Schweizer Meisterschaften «mit vielen Freaks» teil, damals «wild» organisiert waren, weil die Sportart noch nicht im damaligen Schweizer Radsport Bund (SRB) aufgenommen worden war.

Bruno Saile war nur nicht nur von der neu gewonnenen Freiheit, sondern auch von der Technik der Bikes fasziniert. Er kaufte sich in Bern, weil es in Zürich und Umgebung keine Händler gab, ein neues MTB der Marke Klein.

«Ich habe an dem Bike schnell Verbesserungen angestrebt, zum Beispiel neue Bremsen (U-Breaks), eine federnde Alternative zur Starrgabel, eine Einrichtung zur Veränderung der Sattelneigung vom Lenker aus («Mir ist nicht bekannt, dass es etwas Ähnliches auf dem Markt gab.») oder selbst entwickelte Steer Horns.»

Diese Steer Horns gingen später in Serien-Produktion. Tempo Sport verkaufte über 1500 Paare, die teilweise noch heute gefahren werden. «Damals hatte es kaum Hersteller für solche Teile gegeben. Wir sind oft kopiert worden», erinnert sich Tüftler Bruno Saile.

Weil die Bikes, in den USA voll im Trend, in der Schweiz aber kaum zu haben waren, reifte die Entscheidung, einen Velo-Laden zu eröffnen.

1990 LADEN ERÖFFNUNG IN EHEMALIGER BÄCKEREI

Im August 1990 eröffnete Bruno Saile mit seinem Partner Guido Terzer, Architekt, ebenfalls Biker und Ruderer, das Tempo Sport an der Gotthardstrasse 6 in Thalwil. Das Ladenlokal – vormals eine Grossbäckerei mit Bretterverschlägen, viel Durchzug und Fliesen-Wänden wie im Hallenbad – bauten die beiden in Eigenregie um.

Das Geschäft war vom ersten Tag an erfolgreich – mit vielen Velobestellungen von Sportkollegen und Personen aus dem Bekanntenkreis. «Unser Netzwerk hat uns Schub gegeben», erinnert sich Bruno Saile.

Die ersten Marken waren Cannondale (immer noch erfolgreich im Programm) sowie Muddy Fox und Cratoni oder Rennvelos von Basso, «hochpreisige und qualitativ hochstehende Brands.» Bald darauf gründeten die beiden ein Bike-Team, welches in den 90er Jahren erfolgreich nationale Rennen bestritt.

Die Entwicklung und Erweiterung des Geschäftsfeldes vollzogen sich kontinuierlich. Mitte der 90er Jahre gab vor allem der ehemalige Ruderkollege Marcel Kamm den entscheidenden Impuls: Er war zum Triathleten konvertiert und brachte sein Netzwerk von den Free Radicals in Zürich quasi mit ins Tempo Sport. «Wir haben dann zu bestimmten Phasen mehr Triathlon- als Rennvelos verkauft», so Bruno Saile über den aufkommenden und nachhaltigen Triathlon-Hype.

Das Prinzip eines MTB und einer Triathlon-Zeitfahrmaschine sei gleich, die Arbeiten am Rad aber weit diffiziler und vor allem zeitaufwendiger. So kann es über drei Stunden dauern, bis der Vorbau an einem Tri-Velo gewechselt ist, bei einem MTB ist der Vorgang meist nach 20 Minuten beendet.

Mit den Änderungswünschen der Kunden beispielsweise nach einem Bikefitting müssen oft Lösungen gesucht werden, «die die Hersteller nicht anbieten. Da ist man als Mechaniker gefordert. Mittlerweile ist unser Werkstatt-Team hier hoch spezialisiert.»

2004 – DER GROSSE PUSH

Das Tempo Sport in einem beschaulichen Ladenlokal, abseits der Strasse, platzte mittlerweile aus allen Nähten. Der grosse Push mit der neuerlichen Erweiterung des Geschäftsfeldes und der Produktpalette (Laufen, Schwimmen) kam 2004. Tempo Sport zog an die Gotthardstrasse 12 in Thalwil in ein zweistöckiges Ladenlokal.

Aus der einstigen Zwei-Mann-Show wurde rasch ein Unternehmen mit heute rund 15 Mitarbeitenden. «Marcel Kamm war zunächst unser Kunde, 2004 übernahm er die Geschäftsführung.» Das sei ein Glücksfall gewesen, so Bruno Saile.

Mit Marcel Kamm kamen René Kuster und Max Wissmann als Geschäftspartner hinzu, während es Guido Terzer zurück in die Architektur zog. 2020 kam dann der nächste expansive Schritt, der Umzug nach Horgen an die attraktive Seestrasse 93, hochfrequentiert von Velofahrern.

OLIVIER BERNHARD IN SCHWIERIGKEITEN

Bereits seit dem Jahr 2000 war Tempo Sport als Bike Doktor am Ironman Zürich und später auch am Ironman Rapperswil engagiert. Bruno Saile managte den Einsatz der meist vier Mechaniker, die täglich über 250 Räder behändigten. Durch die ununterbrochene Präsenz am Stand, habe er von der eigentlichen Veranstaltung nie etwas mitbekommen.

Profis kamen meistens mit perfektem, «blitzsauberem» Material auf den Platz, hier war das Problem eher ein Transportschaden, insbesondere bei den Athleten von Übersee.

«Ich habe auch oft erlebt, wie es in der Wechselzone knallte. Die Reifen waren zu hart gepumpt und platzten. Wir konnten dann, während der Athlet schwamm, noch schnell die Räder flicken», erinnert sich Bruno Saile über Stressmomente am Bike Doktor Stand und aussergewöhnliche Aktionen im «parc fermé».

Die Räder der Age-Grouper waren nicht immer über alle Zweifel erhaben. «Sie kamen oft mit abgefahrenen Bremsen oder Reifen und defekten Schalt- oder eingerosteten Bremskabeln. Da wäre eigentlich ein Totalservice fällig gewesen.» Heute sind die Räder auf technisch besserem Stand, aber nicht alle sind gut gepflegt. «Ich frage dann immer: Was machst Du nach dem Training? Duschen. Das Rad hätte auch gerne mal eine Pflege, um es von Öl, Schmutz und Schweiss zu befreien. Wer sein Rad pflegt, kann Geld sparen.»

Bruno Saile habe an seinem Rad noch nie vor 7000 km ein Schaltkabel gewechselt oder eine Kette vor 2000 km.

«Wer sein Rad pflegt, kann Geld sparen.»

Bruno Saile

Besonders in Erinnerung ist Bruno Saile der Defekt von Olivier Bernhard im Jahre 2000 am Ironman in Zürich geblieben. Die Klemmschraube für die Sattelbride war gebrochen, Bernhard hatte keinen Ersatz – und war in Sorge. Bruno Saile konnte zufällig mit dem passenden Ersatzteil aushelfen – und Olivier Bernhard, einer der Gründer von OnRunning, gewann das Rennen.

DEM SONNENAUFGANG ENTGEGEN

Bruno Saile ist immer noch fast täglich auf dem MTB oder dem Gravelbike unterwegs. Biken sei gelenkschonend und «in unserer Region überall möglich». Das sei im Vergleich mit anderen Ländern, wo Gelände oft eingezäunt ist, nicht selbstverständlich. Besonders geniesst er morgendliche Ausfahrten, «lautlos dem Sonnenaufgang entgegen».

Doch Leistungssportler bleibt Leistungssportler. Jede Aktivität wird auf Strava analysiert: «Ich möchte schliesslich mein Level halten.»

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