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Triathlon Podcast


#11 Ronnie Schildknecht, Ex-Profi und Athletenmanager – Abschied von der grossen Bühne

Ronnie Schildknecht: Seriensieger am Ironman in Zürich. Foto: ZVG

«UND ICH HATTE SO DAS GEFÜHL: RONNIE, ZUM GLÜCK MACHST DU DAS NICHT MEHR»

Ronnie Schildknecht (42) hat nach dem Ironman Thun 2021 Abschied genommen. Nach einer schönen, langen und erfolgreichen Karriere als einer der herausragendsten Triathleten der Schweiz. Neunmal hat er den Ironman Zürich* gewonnen, 11 Ironman insgesamt, er war Vierter an der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii 2008, Vize-Weltmeister Duathlon-Langdistanz 2007, mehrfacher Schweizer Meister im Duathlon und, und, und …

Er ist zurückgetreten, weil das Training Spuren hinterlassen hatte, weil der Körper sich meldete, weil noch mehr Siege keinen Reiz mehr für ihn hatten. «Ich war ja zeitweise wie in einer Endlosschlaufe unterwegs», sagt er rückblickend. Und vielleicht auch, weil er spürte, dass er woanders gebraucht wird.

AGENT UND ATHLET

Profi-Kollege Sebastian Kienle vom hep-Team, Hawaii-Sieger 2014, klopfte bei Ronnie Schildknecht an, bereits zwei Jahre vor dem Karriereende des gebürtigen Thalwilers, ob er ihn managen wolle. Kienle mag gespürt haben, dass er dem Freund aus der Schweiz vertrauen, dass er ihm sämtliche Vertragsverhandlungen und die Organisation seiner Termine mit Partnern und Sponsoren überlassen kann. Ronnie Schildknecht, der Kommunikationswissenschaften studiert hat, hatte zu dem Zeitpunkt sich selbst gemanagt, ein grosses Netzwerk aufgebaut und einiges auf die Beine gestellt. Dafür war er in der Szene bekannt, unter anderem auch aufgrund seiner Partnerschaften mit Prestige-Unternehmen wie Breitling. Inzwischen ist die Uhrenmarke sehr prominent im Triathlonsport vertreten und sponsert unter anderen die Hawaii-Sieger Jan Frodeno und Daniela Ryf.

Ronnie Schildknecht sprang damals «ins kalte Wasser», als er Sebastian Kienle zusagte. Trotz Doppelbelastung – Agent und Athlet – «lief es super». Natürlich entwickelte er auch auf dem neuen Terrain Ehrgeiz, wollte für Kienle die besten Bedingungen schaffen. Noch während der aktiven Laufbahn hatte Ronnie Schildknecht seine neue Berufung gefunden: Athletenmanager. Er musste an keiner Tür anklopfen, sie war schon weit auf. «Vielleicht ist das so, weil ich gut antizipieren kann», sagt er. «Ein Athlet im Format eines Sebastian Kienle vereinfacht das Ganze natürlich noch zusätzlich.»

«ICH WILL FÜR DIE ATHLETEN DAS BESTE»

Nach seinem Rücktritt war ihm wichtig, zu definieren, welche Ziele er in seinem neuen Leben verfolge: «Ich bin immer noch der gleiche gewesen, aber ich mache etwas anderes.» Die Antwort war klar: «Ich will für die Athleten das nur Beste, damit sie erfolgreich sein können. Und ich möchte gute Deals für sie abschliessen.»

Ronnie Schildknecht, mittlerweile hat er seine eigene Agentur (https://i-ron.net/) aufgebaut, hat nicht nur Triathleten unter Vertrag, sondern auch Schwinger oder Tennisspieler. Seine Firma wächst, mit dem ehemaligen Radprofi Martin Elmiger hat er sich einen prominenten Mitarbeiter ins Boot geholt.

Und mittlerweile ist er Manager des deutschen hepglobal-Sportsteams (https://hep.global/sports-team/), einem der grössten Triathlon-Teams weltweit, wo auch Sebastian Kienle und andere Weltklasse-Athleten wie Maurice Clavel, Daniel Bækkegård, Laura Philipp, Lisa Nordén, Imogen Simmonds oder Neuzugang Gustav Iden zuhause sind. «Ich bin die Knautschzone zwischen den Sponsoren, öffentlichen und medialen Anfragen und den Athleten», so Ronnie Schildknecht. Damit hat er alle Hände voll zu tun, und nebenbei coacht er noch «zwei, drei Leute hobbymässig» und organisiert einen Charity-Event, den mittlerweile legendären Les Moustaches-Ride (https://lesmoustachesride.com/), der dieses Jahr am 14. August stattfindet.

«ICH BIN WIE EIN FISCH IM WASSER, ICH WEISS WIE DIE TICKEN.»

Offensichtlich war für ihn der Übergang vom bewegten Profi-Dasein zu einem Office-Job fliessend, unkompliziert. «Ich habe mich gefunden, bin am richtigen Platz angekommen, ich muss nicht mehr links und rechts schauen», sagt er. Die Arbeit macht ihm grossen Spass, zumal er auch an viele internationale Rennen reist. Es fällt ihm kein Zacken aus der Krone, wenn der den Athleten am Wettkampfort das Essen oder das Bike in den Service bringt. Er steht nebendran, wenn seine Athleten Autogramme geben und denkt für sich, dass er früher in dergleichen Rolle war: «Ich habe meine Zeit gehabt.»

«Sebi sagt immer, ich beruhige ihn.»

ronnie schildknecht

Den neuen Job macht er nicht nur mit Herzblut und Knowhow, sondern auch mit Einfühlungsvermögen. Vielleicht erfährt er darum so grosse Wertschätzung. Schliesslich weiss er, was die Athleten vor und während dem Rennen durchmachen. Eine extreme Situation, in der viele sehr «angespannt und manchmal zickig» seien. Er selbst nimmt sich dann zurück, ist immer am richtigen Ort da für sie: «Ich bin wie ein Fisch im Wasser, ich weiss, wie die ticken.» Die Athleten spüren das: «Sebi sagt immer, ich beruhige ihn.» Ein grosses Kompliment. Ronnie Schildknecht sieht sich als ein Teil des Teams und «part of the journey», eine spannende, vielseitige Aufgabe.

«ICH WILL FÜR DIE ATHLETEN DAS BESTE, DAMIT SIE ERFOLGREICH SEIN KÖNNEN»

Nach seinem Rücktritt kam keine Wehmut auf, kein Abschiedsschmerz, dazu hat er sich lange genug auf den neuen Lebensabschnitt vorbereitet. Zuletzt war er Anfang April 2022 beim Ironman in Südafrika vor Ort, betreute die hep-Athleten wie Maurice Clavel, Imogen Simmonds oder Laura Philipp. Er sei einfach nur froh gewesen, am Morgen «dort stehen zu können, und die liefen dann ins Meer und fingen an zu schwimmen. Und ich hatte so das Gefühl, Ronnie, zum Glück machst du das nicht mehr. Und auch beim Wettkampf, die 180 Kilometer, oh mein Gott, weil ich weiss genau wie die sich fühlen … Und ich dachte nur, ich bin richtig froh, bin ich auf dieser Seite. Jetzt. Ich hatte nicht einmal den Gedanken, ich würde jetzt auch gern so einen Ironman machen.»

«ICH WAR NIE DER KLASSISCHE TRIATHLON-PROFI»

Dennoch ist ihm auch sportlich ein gewisser Ehrgeiz geblieben. Täglich mindestens eine Stunde Sport muss sein, Radfahren und Laufen natürlich, Tennis und Unihockey mit Freunden und Krafttraining. Und das, bitte schön, auf einem gewissen Niveau. Als zwei Monate nach dem Ironman Thun 2021 sein FTP-Wert auf dem Rad von über 400 Watt in den Keller rauschte, 100 Watt weniger waren es, ging das gegen seine Ehre. «Das hat mich genervt, ich will fit sein. Nur für mich.» Jetzt ist er wieder bei über 350 Watt, hält Ronnie Schildknecht fest, «Race-Pace-Bereich». Das ist ihm wichtig. Und irgendwann steht ein Marathon am Horizont, den er selbstverständlich mit guter Vorbereitung absolvieren möchte und «natürlich unter der 2:30h-Marke».

Im Rückblick erscheint Ronnie Schildknechts Karriere wie aus dem Bilderbuch, doch das täuscht. Bevor er 1997 seinen ersten Triathlon in Zürich absolvierte, spielte er Tennis auf hohem Niveau und Eishockey. «Ich war nicht der klassische Triathlon-Profi. Ich habe einen eigenen Weg gehen müssen.» Er kam schnell ins Nationalteam, hatte Erfolg, doch Trainingsumfänge von bis zu 45 Stunden in der Woche waren für ihn nicht machbar. Er wurde beäugt und kritisiert, spürte deutlich, dass «ich anders funktioniere. Ich musste auf mein Gefühl hören. Ich wollte doch auch Freude haben an dem Sport.»

STÄNDIGE INNERE DIALOGE

Wenn zum Beispiel drei Stunden Radfahren auf dem Programm standen und die Beine sich schwer anfühlten, war er nach einer Stunde schon wieder zuhause: «Mit gutem Gewissen», betont er. Auch wenn er immer Coaches gehabt habe, «so war ich doch immer mein eigener Chef.» Auch das war nicht einfach, er habe ständig innere Dialoge geführt, sich hinterfragt. «Anstrengend», nennt er das. Man müsse sehr ehrlich zu sich selbst sein, und am Ende «stand die Frage, was bringt mir mehr?»

Er habe nicht nur einmal gehört, dass er Hawaii auch gewinnen hätte können. Er sieht dieses eigentliche Kompliment anders. «Ich bin Vierter geworden, weil ich meinen eigenen Weg gegangen bin. Weil ich so trainiert habe, wie ich trainiert habe.» Den vierten Platz muss man erst einmal erreichen.

Er kann sich auch nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben. Um in seiner schwächsten Disziplin – dem Schwimmen – konkurrenzfähiger zu werden, intensivierte er sein Schwimmtraining und war eine Zeitlang täglich während eineinhalb Stunden im Pool anzutreffen, oftmals mit einer Gruppe. Der Effort endete mit Bodybuilding-Schultern, Schmerzen und der Erkenntnis, dass tägliches Training am Morgen früh um 6 Uhr nichts für ihn ist, «da war ich den ganzen Tag kaputt. Ich bin am Morgen einfach nicht leistungsfähig, daran kann ich mich auch nicht gewöhnen.»

«ALS TRIATHLET WAR ICH IMMER SO ALLEIN»

Jetzt schliesst sich der Kreis. Der ursprüngliche Spiel- und Teamsportler hat für seine Firma eine Vision. Das Unternehmen soll «klein und fein» bleiben – und dennoch wachsen. Mit Leuten, die auf der gleichen Wellenlänge funken wie er. Zusammen etwas erarbeiten, alles geben, in der Mittagspause gemeinsam Sport treiben, es gut miteinander haben, Erfolge feiern – und die auch geniessen. Ein tolles Team eben.

Ronnie Schildknecht strahlt, wenn er von seinen Plänen erzählt. Ein Team um sich haben, das braucht er, das bringt gute Energien. Als Profi hatte er auch ein Team, das ihn unterstützte, war aber letztendlich ein Einzelkämpfer. «Als Triathlet», sagt er, «war ich immer so allein».

* Nur der Neuseeländer Cameron Brown kann mehr Siege an einem Ironman verzeichnen: Er gewann den Ironman New Zealand 12 Mal.

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