Tristory

Triathlon Podcast


#14 Mathias Hecht, Ex-Profi und Leiter Sportarena – Sprungbrett Triathlon

«DAS FINDEST DU NIRGENDWO SONST, DAS LERNST DU NUR IM SPORT»

 

Ist eine erfolgreiche Karriere als Profi-Triathlet eine Garantie für eine spätere Führungsposition? Nicht unbedingt. Im Fall von Mathias Hecht aber mit Sicherheit.

Mathias Hecht (41) gehörte zu den besten Triathlon-Profis der Schweiz. Der gebürtige Willisauer startete viermal an der Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii, wurde 2008 Achter, gewann 2011 den (damals noch anspruchsvolleren!) Ironman St. George/Utah (USA) mit Rekordzeit. Darüber hinaus erreichte er zehn Mal ein Ironman-Podest.

«WENN CHANCEN DA GEWESEN SIND, HABE ICH SIE GEPACKT»

Eine mühsame Verletzung verhinderte in den letzten Jahren seiner Karriere, dass er sein Potential voll entfalten konnte. Andererseits ermöglichte ihm die sportliche Sackgasse einen schnellen Wechsel ins Berufsleben. Mathias Hecht, der Sportmanagement und Wirtschaft studiert hat, übernahm 2016 die Leitung der Sportarena auf dem Campus Sursee im Kanton Luzern und ist Mitglied der Geschäftsleitung der CAMPUS SURSEE Seminarzentrum AG, dem grössten Seminar- und Konferenzhotel der Schweiz. Im Sport würde man von einem Shooting-Star sprechen. «Wenn Chancen dagewesen sind, habe ich sie gepackt. Ich glaube das ist entscheidend», sagt Mathias Hecht.

«Ich habe sofort grosse Verantwortung übernommen, ich hatte nichts zu verlieren. Ich habe bei null angefangen. Die Sportarena in der heutigen Form – mit einem 50- und 25-Meter-Pool und Leistungszentrum vom Swiss Triathlon – war noch nicht vorhanden, ich habe alle 35 Mitarbeitenden zusammen mit dem HR eingestellt und ein funktionierendes Team aufgebaut.» Er wurde ins kalte Wasser geworfen, wie er sagt. Ein grosser Vorteil war, dass er in der Umgebung heimisch ist, den Betrieb kannte, weil er im alten Bad trainiert hatte. Und er brachte aus der sportlichen Vergangenheit ein Netzwerk mit, das hilfreich war: «Ich habe genau gewusst, was unsere Kunden wünschen.» Der Trumpf eines jeden Dienstleisters. Dann sei er Meilenstein für Meilenstein gegangen, wie bei einem Ironman, «da schaust du die Distanz auch nie als Ganzes an.»

«GEWALTIGE PARALLELEN»

Ein Ironman fordert den ganzen Menschen, eine Führungsposition auch. «Man lernt sehr schnell, sehr viel, ich höre nie auf, zu lernen», sagt er nach sechs erfolgreichen Jahren als Leiter der Sportarena. Er hat viele Parallelen zwischen der Sport- und der Berufswelt entdeckt, die ihm die Umstellung von der vermeintlichen Freiheit des Triathlon-Profi-Lebens, dass sich viel draussen an der frischen Luft abspielt, hinzu einem Bürojob, erleichtert haben. Diese Parallelen, sagt er, seien gewaltig. Doch gewisse Führungsqualitäten, so Mathias Hecht, müssen einem auch gegeben sein, dazu gehöre, dass man Menschen gerne habe und kommunikativ sei.

Mathias Hecht war immer zielorientiert, strukturiert und neugierig. Als Athlet hat immer von den Besten gelernt, hielt sich über Jahre immer wieder in Australien auf. Nach der ITU Weltmeisterschaft in Perth 2000 – Mathias Hecht startete damals als Junior mitten in seiner Maturzeit – lernte er das Land kennen und lieben. Er baute sich im Triathlon-Hotspot Noosa ein Umfeld auf, zu dem unter anderen sein Freund Luke McKenzie, WM-Zweiter der Ironman WM 2013, Greg Bennett, Kurzdistanz-Weltmeister 2011 und Olympiavierter 2008, Hawaii-Sieger 2012, Pete Jacobs, oder die vielfache Ironman Siegerin Belinda Granger gehörten. «Wir waren eine richtige Tri-Family, das ist, was ich heute vielleicht am meisten vermisse», so Mathias Hecht.

Die Weiterbildung in Sachen Triathlon blieb nicht auf Noosa begrenzt: Mit dem Australier Craig Alexander, dreifacher Hawaii-Sieger, trainierte Mathias Hecht in Boulder/Colorado (USA) und mit Chris McCormack, zweifacher Hawaii-Sieger, in Sydney und auch in der Schweiz.

GREG BENNETT WAR IN ALLEM VORAUS

Greg Bennett, der heute einen hörenswerten Podcast betreibt (The Greg Bennett Show), wurde sein Coach. Mit dem Australier wurde Mathias Hecht 2008 Achter auf Hawaii. Später kamen als Coaches und Mentoren Brett Sutton (mit ihm gelang ihm 2011 der Sieg in St. George, ein tadelloses Rennen) dazu sowie der Deutsche Normann Stadler beim Team Commerzbank, auch er zweifacher Hawaii-Sieger. «Ich habe von diesen Menschen die besten Dinge für mich herausgenommen, das, was zu mir passt. Das waren Zeiten, die prägen», beschreibt Mathias Hecht den Umgang mit den Highperformern, er nennt sie «Charakterköpfe». «Was Professionalität angeht, habe ich von Greg Bennett am meisten gelernt.» Bennett war in allem bei weitem voraus, ein Perfektionist durch und durch. Jede Minute hat er sorgsam geplant – vom Essen bis zum Schlafen.»

Craig Alexander habe ihn beeindruckt, weil er trotz seinem Erfolg immer auf dem Boden blieb. Chris McCormack hat ein Händchen für Geschäfte, «ein Visionär». Normann Stadler hingegen war ein brillanter Netzwerker, der seinerzeit mit der Commerzbank ein beispiellos professionelles Team aufgebaut hat. «Die Zeit beim Team Commerzbank war meine beste. Wir hatten Verträge über mehrere Jahre und damit Sicherheit. Das macht den Kopf frei.»

KVP: ALS SPITZENSPORTLER IST DAS KOMPLETT NORMAL

Rückblickend war das Zusammensein und Zusammenarbeiten mit diesen «Highachievers» eine einmalige Horizonterweiterung, eine Lebensschule: «Die intrinsische Motivation dieser Topathleten auf ein Ziel hinzuarbeiten, ist extrem ausgeprägt. Das findest du nirgendwo sonst, das lernst du nur im Sport». Als Athlet brauche es nicht nur einen «grossen Eigenwillen», sondern auch Durchsetzungsvermögen. Dies sind Eigenschaften, die auch im Unternehmen gefragt sind.

Kommt hinzu, «dass du im Spitzensport ständig Herausforderungen annehmen musst», so Mathias Hecht. Als Triathlet sei man gezwungen, innovativ und kreativ zu sein, genau die Dinge, die jetzt im Job gefragt sind. «Wir arbeiten im Campus nach dem Model des Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Als Spitzensportler ist das komplett normal, da kommst du gar nicht drumherum.» Auch hier imponieren ihm andere Sportler, der Brite Alistair Brownlee, zweifacher Olympiasieger, der nach seinen grossen Erfolgen weiter trainierte, als wenn nicht gewesen wäre. Oder Nino Schurter, der erfahrene MTB-Olympiasieger, der heute seine Rennen taktisch ganz anders fahren muss als zu Beginn seiner Karriere.

KEINE ANGST ZU SCHEITERN

Die Offenheit Neuem gegenüber ist ein Baustein des Erfolges von Mathias Hecht: «Es ist mir immer leicht gefallen, offen zu sein. Ich muss auch nicht alles selbst wissen, ich kann mich beraten lassen. Ich habe gerne ein Team um mich herum, es macht mir Spass, Leute weiterzubringen.» Aus seiner Sicht wäre der Erfolg der Sportarena ohne Offenheit und die Unterstützung seiner Vorgesetzten, damals insbesondere vom Direktor Daniel Suter, der ihn eingestellt hat, nicht möglich gewesen. «Es braucht Mut, um etwas auszuprobieren, in Kauf zu nehmen, dass etwas nicht funktioniert und dann Anpassungen vorzunehmen. Genau das machst du als Athlet non Stopp. Viele aber haben Angst zu scheitern.»

«Es braucht Mut, um etwas auszuprobieren, in Kauf zu nehmen, dass etwas nicht funktioniert und dann Anpassungen vorzunehmen. Genau das machst du als Athlet non Stopp. Viele aber haben Angst zu scheitern.»

Mathias Hecht

Athleten checken täglich ihre Daten, kontrollieren Leistungsparameter und Formkurve. Mathias Hecht hat auch diese Eigenschaft an seinen Arbeitsplatz – direkt neben der Schwimmhalle – transferiert. Er schaue sich jeden Tag, die Umsatzzahlen der Sportarena an, «das macht mir Spass, ich messe mich gerne an Zahlen, ich werde ja auch daran gemessen.» Und natürlich gibt es auch Tage, an denen er mit diesen Zahlen nicht ganz zufrieden ist. Er scherzt: «Dann bekomme ich eine Formkrise, aber leider kann ich jetzt keinen Ruhetag mehr einlegen.»

«WENN ES NUR HECHTS HÄTTE, WÜRDE ES AUCH NICHT FUNKTIONIEREN»

Ein funktionierendes Team zusammenzustellen, sei (immer noch und immer wieder) etwas vom Spannendsten bei seiner Tätigkeit. «Der schnelle Aufbau des Teams war eine intensive Zeit, das ist am Anfang an die Substanz gegangen.» Zumal man nach einem Vorstellungsgespräch nicht wirklich beurteilen kann, ob jemand in die Unternehmenskultur passt: «Ich habe da auch Fehler gemacht, das ist learning on the job.»

Entscheidend sei auch der Team-Mix, denn: «Wenn es nur Hechts hätte, würde es auch nicht funktionieren.» Gefragt sind Mitarbeitende, die auch mal anders und innovativ denken, die in diesen schnelllebigen Zeiten anpassungsfähig sind, die mitziehen. Sie müssen nicht unbedingt den klassischen Berufsweg gegangen sein, sondern können auch aus anderen Bereichen kommen. Als Athlet, sagt Mathias Hecht, bringe man gerade in diesem Punkt die besten Voraussetzungen mit.

Menschen, die Sport treiben, haben bei Stress ein Ventil, sagt Mathias Hecht. Das gilt auch für ihn selbst. Er steht am Morgen um 5 Uhr auf, trainiert vor Arbeitsbeginn und auch über Mittag, er nennt es «kreative Pause», «an der frischen Luft den Rhythmus brechen.» Er freut sich, wenn seine Mitarbeiter sich seiner Philosophie anschliessen, der Work-Life-Balance und ihrer Gesundheit Sorge tragen, denn: «Jeder kann Zeit für Bewegung finden, auch im Schichtbetrieb, das ist pures Zeitmanagement. Aber nicht jeder mag die Komfortzone verlassen.»

«ICH HABE WIRKLICH GELIEBT, WAS ICH MACHE»

Als Profi hat Mathias Hecht die Komfortzone immer wieder verlassen, sich dorthin zu begeben, wo es richtig weh tut, ist normal für ihn. «Ich habe wirklich geliebt, was ich mache, ich habe eine grosse Leidenschaft für den Sport.» Noch heute betreibt er alle drei Sportarten gerne, er ist auch als Erscheinung Athlet geblieben.

 

Er betont, dass er keine Rennen mehr brauche. Die Zeit ist vorbei. Der Beruf stehe jetzt an erster Stelle. Wie auch für seine Frau, Nicole, geb. Hofer, ebenfalls eine ehemalige erfolgreiche Triathletin. Und fast im nächsten Satz berichtet er, dass er im nächsten März mit ihr am Cape Epic, einem mehrtägigen anspruchsvollen MTB-Rennen in Südafrika, starten wird. Ganz ohne Ambitionen, des Erlebnisses wegen: «Wir machen das nur für uns.»

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