

«WER IM NEOPRENANZUG ORDENTLICH SCHWIMMEN WILL, DER MUSS AUCH IM NEOPRENANZUG TRAINIEREN»
Der Wetsuit ist für Triathleten unverzichtbar. Das richtige Model und die richtige Passform zu finden, kann eine Herausforderung sein. Genauso wie das Anziehen und die Pflege. Das TriStory-Experten-Gespräch ging jedoch weit über diese Themen hinaus. Anhand vom Neopren realisieren wir, in welcher weltwirtschaftlichen Lage wir uns befinden. Die Lösung könnte eine anstehende Material-Revolution sein.
Der Neopren-Anzug ist ein anspruchsvolles Produkt – in jeglicher Hinsicht. Rüdiger Jochum und Renato Munz, beide vom englischen Neopren-Hersteller Zone 3, kennen das Wetsuit-Metier wie nur wenige.
Rüdiger Jochum ist ein Triathlet der ersten Stunde, er ist gleich fünf Mal am Ironman auf Hawaii gestartet ist und schwimmt auch heute noch das ganze Jahr über im Freiwasser. Renato Munz, der bei Zone 3 für die Schweiz verantwortlich ist, kennt sich in vielen Gewässern dieser Erde aus und hat 2019 den die Wettkampfserie Swiss Open Water Cup organisiert.
HYPE UM ACCESSOIRES
In dem hochinteressanten Gespräch ging es nicht nur um Tipps zur richtigen Neopren-Wahl, sondern auch um Themen aus Handel und Vertrieb, die die globale Wirtschaftssituation und damit auch den Endverbraucher betreffen. «Durch regionale Lockdowns haben sich in den letzten beiden Jahren sicher geglaubte Produktionszeiten verzögert. Und wir haben eine sehr schwierige Situation im Bereich der Warenbeschaffung, das führt zu einer Verknappung von sehr stark nachgefragten Produkten. Das ist markenübergreifend so. Zusätzlich sehen wir eine sehr stark erhöhte Nachfrage nach bestimmten Produkten wie zum Beispiel Neoprenaccessoires. Plus einen Hype auf alle Wetsuits im Preisbereich zwischen 350 und 400 Euro», so Rüdiger Jochum. «Das seit Mai 2020 so.
Die gute Nachricht: Produkte fürs Freiwasserschwimmen haben in den vergangenen Jahren 70 Prozent mehr Umsatz erzielt – ein Sport also mit grossem Zulauf und enormen Potential. Die etwas weniger gute Nachricht: «Wir können die Nachfrage des Marktes nicht vollumfänglich bedienen», so Rüdiger Jochum, «denn die Ware komme nicht mehr komplett und termingerecht an.»
VEGANER NEOPREN
«Wir werden die Nachfrage von Equipment in unseren Ländern auch in den nächsten fünf Jahren nicht decken können. Wir werden das nicht schaffen. Das gibt der Rohstoffmarkt – Stand heute – überhaupt nicht her», analysiert Rüdiger Jochum. Doch diese Schwierigkeiten, «mit denen wir zu kämpfen haben, sind der Hauptantrieb, um andere Lösungen zu finden: Das bedeutet Innovationen.»
«Wir werden die Nachfrage von Equipment in unseren Ländern auch in den nächsten fünf Jahren nicht decken können.»
Rüdiger Jochum
In der Zukunft wird hinsichtlich des Materials weniger mit mineralisch basierten Ölen gearbeitet werden, sondern vermehrt mit 100 Prozent pflanzlichen Bestandteilen. Zone 3 wird eine «vernünftige, richtig gut funktionierende Alternative zu dem jetzt gängigen Neoprengrundmaterial» im Frühjahr 2023 auf den Markt bringen. «Der Druck kommt auch von der Endverbraucherseite. Wer sich bis jetzt noch keine Gedanken über Nachhaltigkeit gemacht hat, ich weiss nicht in welcher Höhle der wohnt. Das ist nur eine Frage der Zeit, wann man da Lösungen braucht», sagt Rüdiger Jochum.
KÄLTESCHUTZ WIRD WICHTIGER
Wie aber ist dem Triathleten zu helfen, der sich mit dem Thema Neopren noch nicht oder nur wenig nicht auskennt? Ein wichtiger Tipp von Rüdiger Jochum: «Wer im Neoprenanzug ordentlich schwimmen will der muss auch Neoprenanzug trainieren.» Soll heissen, man kann nicht erwarten, dass man im Wettkampf glänzt, wenn man vorher nur im Pool war und nur sporadisch bei schönem Wetter ins Freiwasser geht. Da hilft nur eins: Sich mit dem Produkt und seinen eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen.
70 Prozent der Anzüge werden über die Onlineshops verkauft, die Beschreibungen der Hersteller sind mittlerweile sehr umfassend und unterstützen bei der Wahl. Dennoch ist es hilfreich, die Produkte, wenn möglich, vorher zu testen – idealer Weise sogar im Wasser. «Ein Neoprenanzug muss in erster Linie passen, aber auch dem Schwimmstil entsprechen, und da sind die Unterschiede enorm. Manche schwärmen von Auftrieb, manche finden Auftrieb ganz doof, denen geht es vielmehr um Bewegungsfreiheit. Und der Kälteschutz hat an Bedeutung gewonnen», so Rüdiger Jochum. Denn der gute Schwimmer sei kein guter Schwimmer mehr, wenn er kalt hat. Ein Neopren bietet nicht nur Schutz vor Kälte, sondern kann auch Leben retten. «Jemand mit einem Neopren am Körper ist weniger gefährdet, sofort von der Bildfläche zu verschwinden», so Renato Munz.
KEIN STRESS!
Was kann man tun, um länger Freude am Wetsuit zu haben? Renato Munz: «Ein ganz wichtiger Aspekt ist der Faktor Zeit. Viele Schäden passieren beim Anziehen, wenn man im Stress ist und dann wird gezogen und gezerrt. Die Klebestellen und die Nähte mögen das nicht so gerne, die leiden darunter. Der Klassiker sind die Fingernägel-Cuts, erst nur ein kleiner Schnitt, der dann immer grösser wird. Nach dem Gebrauch sollte der Neopren mit Kaltwasser ausgespült und nicht in der Sonne getrocknet werden. Am Kleiderbügel sollte man den Neopren nur trocken aufhängen, nass hingegen halbiert über den Bügel.» Und grundsätzlich sollte man zum Neopren auch immer einen Kleber und einen Stick für Scheuerstellen an der Haut kaufen.
NICHT IN DEN POOL!!
Übrigens: Nicht nur Sonne und Wärme lässt die Weichmacher im Anzug ausdampfen, auch das Chlor im Schwimmbad greift das Material an. «Chlorwasser greift den Lycra-Anteil des Linings in der Innenseite des Neoprens an, der dann sehr stark altert», so Rüdiger Jochum.
Ein besonderes Angebot macht Renato Munz für die Schweizer Kunden von Zone 3. Bei einer Bestellung eines Wetsuits per Mail mit dem Codewort TRISTORY kommt gratis eine 28-Liter-Boje dazu. Für die Sichtbarkeit, Sicherheit und als Transportbehältnis im Freiwasser unverzichtbar.
Die Mail von Renato Munz: renato.munz@zone3.com
Codewort: TRISTORY
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